skip to content

Ist "glauben" ein universales Vermögen? Zur Möglichkeit des Glaubensvollzugs bei von Geburt an schwerster kognitiver Beeinträchtigung

Mit Blick auf die Struktur religiöser Überzeugungen lässt sich eine Unterscheidung von Glaubensakt (fides qua creditur; faith) und Glaubensinhalt (fides quae creditur; belief) aufzeigen. Diese Doppelstruktur hat sich in der Debatte zur Epistemologie religiösen Glaubens weitestgehend durchgesetzt.                                                    

In der gegenwärtigen Fundamentaltheologie und Religionsphilosophie werden auf dieser Unterscheidung aufbauend primär Möglichkeitsbedingungen der vernünftigen Vertretbarkeit von Glaubensinhalten thematisiert. Eine solche Fokussierung auf die Rationalität von Glaubensinhalten (belief) vernachlässigt jedoch Fragen nach der Bedeutung der affektiven Dimension von Glauben (faith) und lässt Fragen nach dem "davor", also nach den Möglichkeitsbedingungen des Glaubens außer Acht.

Die fundamentale Relevanz und Brisanz einer verstärkten Reflexion von faith zeigt sich aber insbesondere dann, wenn man sich auf Personen mit von Geburt an schwersten kognitiven Beeinträchtigungen konzentriert.

Eine rationale Glaubensverantwortung primär über belief zu bestimmen, könnte all jene Personen ausschließen, die kognitiv dazu nicht in der Lage sind. Dies würde auch dem Universalitätsanspruch religiöser Überzeugungen, als prinzipiell von allen verstehbar und zustimmungsfähig, widersprechen.

Zudem würde Personen mit von Geburt an schwersten kognitiven Beeinträchtigungen die Möglichkeit eine vollumfängliche religiöse Überzeugung haben zu können, abgesprochen. Letztlich steht damit in Frage, ob Personen mit schwersten kognitiven Beeinträchtigungen in selbstbestimmter Freiheit und Verantwortung Subjekte des Glaubens sein können.

Das hier anvisierte Forschungsprojekt möchte also eine doppelte Lücke schließen: Einerseits soll die Bedeutung von faith in der analysis fidei hinterfragt werden. Andererseits soll die Frage gestellt werden, inwiefern Personen mit von Geburt an schwersten kognitiven Beeinträchtigungen grundsätzlich in der Lage sind, zu glauben.

 

Projektleitung

Prof. Dr. Saskia Wendel

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen